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Schülerprojekt 2017: Elgars "The Kingdom"

Die Babylonische Sprachverwirrung und das Pfingstwunder in Jerusalem
(A Young Person's Guide to Elgar's Oratorio "The Kingdom")


Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II arbeiteten im Zeitraum von Februar bis Mai 2017 im Unterricht zu verschiedenen Themenkreisen, die im 1906 entstandenen Pfingstoratorium "The Kingdom" des englischen Komponisten Edward Elgar behandelt werden. Sie lernten dabei unterschiedliche Kommunikationsformen kennen und praktizieren. Außerdem erfuhren sie viel über Musik, vokale wie instrumentale, live in ihrer Schule. Sogar das gemeinsame Komponieren einer kleinen Bühnenmusik gehörte zum Schülerprojekt.

In der biblischen Geschichte vom Pfingstwunder in Jerusalem erleben Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Sprachregionen für einen Moment eine Form des Verstehens und Verstandenwerdens, die lange verloren schien, nämlich seit dem (gotteslästerlichen) Turmbau zu Babel und der darauf folgenden babylonischen Sprachverwirrung (Gottes Strafe). Trotz ihres christlichen Ursprungs bieten diese Themen einen guten Ansatzpunkt für interkulturelles und auch interreligiöses Nachdenken. Im Schülerprojekt wurden daher u. a. folgende Fragen behandelt:

  • Wie kam es zur Babylonischen Sprachverwirrung?
  • Wieso sprechen wir verschiedene Sprachen?
  • Was wäre, wenn wir alle dieselbe Sprache sprechen würden?
  • Sind Kommunikationsprobleme Ursache der meisten Konflikte?
  • Kann Musik eine verbindende Sprache über kulturelle Grenzen hinweg sein?

Die Stadt Jerusalem steht dabei als Symbol für Konflikte, heute wie damals vor 2000 Jahren. Das fächerübergreifende Schülerprojekt des Bach-Vereins Köln schloss unmittelbar an das vorangegangene zu Bernsteins "Mass" (2016) an, indem es sich an dieselben Teilnehmer wandte (Schulen im Raum Köln/Bonn). Darüber hinaus nahmen auch erstmals Internationale Förderklassen mit geflüchteten Kindern im Alter von 10-13 Jahren teil, quasi als Symbol der Sprachenvielfalt.

Thomas Neuhoff entwickelte gemeinsam mit der Pädagogin Dr. Eva de Voss ein ambitioniertes Konzept, das – ausgehend von der Musik – zahlreiche Unterrichtsfächer (prachen, Religion, Geschichte, Kunst und Literatur) einband und dabei auch grundsätzliche Fragen menschlicher Kommunikation und daraus folgender Konflikte untersuchte.
Um die Jugendlichen zu künstlerischer Kreativität zu animieren, wurden von eigens für das Projekt engagierten Fachkräften entsprechende Impulse gesetzt. Die Projekte wurden innerhalb und außerhalb des schulischen Unterrichts vorbereitet und durchgeführt. Alle Projektergebnisse wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst in mehreren Abschlusspräsentationen vorgestellt, bei denen auch SuS unterschiedlicher Schulformen in Kontakt kamen und voneinander profitierten.

Konzertbesuch in der Kölner Philharmonie

Zum krönenden Abschluss des Projekts erhielten die am Schülerprojekt beteiligten Jugendlichen die Möglichkeit, ein intensiv vorbereitetes Konzert im imposanten Konzertsaal der Kölner Philharmonie live und für sie zu stark ermäßigten Preisen mitzuerleben.

Musikalische Unterrichtskonzepte

Das musikalische Schülerprojekt richtete sich vorwiegend an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II. Im Fokus der Projektarbeit stand sowohl die musikgeschichtliche Beschäftigung mit Leben und Werk dieses bedeutenden englischen Komponisten als auch die praktische musikalische Auseinandersetzung mit dem kompositorischen Schaffen Edward Elgars im Allgemeinen und seinem Oratorium "The Kingdom" im Besonderen.

Musikpraxis/Live-Musik
Jugendliche (vorbereitet von Thomas Neuhoff) und Profimusiker tourten durch die Schulen und musizieren Elgar-Werke für und mit Schülern.

Folgende Stücke aus der Feder Elgars eigneten sich für Schüler besonders:

  • Salut d'Amour (Flöte, Violine od. Cello und Klavier)
  • Shepherd's Song (Singstimme und Klavier)
  • Six Easy Pieces (Violine und Klavier)
  • "The Snow" und "Fly, Singing Byrd" (Oberstimmenchor, zwei Violinen und Klavier)
  • Land of Hope and Glory (vokal oder instrumental)

Mitwirkung von Schulchören
Schulchöre studierten die Stücke "The Snow" und "Fly, Singing Bird" für Oberstimmenchor, zwei Violinen und Klavier, "Ave verum corpus" für Chor und Orgel sowie weitere Werke von Edward Elgar und brachten diese in mehreren öffentlichen Veranstaltungen zu Gehör.

Komposition einer Bühnenmusik
Im Rahmen des musikalischen Schülerprojekts entstand unter Anleitung von Thomas Neuhoff im Grundkurs Musik der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule eine Bühnenmusik, die eigens für ein ebenfalls neu erarbeitetes Theaterstück komponiert wurde. Thema war der Turmbau zu Babel bzw. die babylonische Sprachverwirrung.

Öffentliche Konzerte

Montag, 6. März 2017, 16 Uhr · Kapelle der LVR-Klinik Bonn

»The Wand of Youth« – Der Zauberstab der Jugend
Musik für die Seele von Edward Elgar


Jugendjahre zwischen Orgelbank und Psychiatrie-Orchester

Kinderchor der Lukaskirche Bonn · Auerberger Kantorei · Junge Instrumental- und Gesangssolisten aus dem Raum Köln-Bonn · Susanne und Ludwig Egener, Rezitation · Thomas Neuhoff, Klavier und Moderation

Das Konzert für Patienten und Besucher der Rheinischen Landesklinik erinnert an die musikalische Arbeit des 22-jährigen Edward Elgar in Powick, der Psychiatrischen Anstalt seiner Heimat Worcester, wo er die therapeutische Wirkung von Musik kennenlernte. Elgar erlebte sich selbst stets als Außenseiter, lange vergeblich um Anerkennung ringend und mit emotionalen Abgründen vertraut, die er sich quasi von der Seele komponierte (»I have written out my soul«).

AVE VERUM (Sei gegrüßt)
Für Kinderchor und gemischten Chor (1887/1902)

VERY EASY MELODIES (Sehr einfache Melodien)
Für Violine, Cello und Klavier (1892)

FAIRIES AND GIANTS (Elfen und Riesen)
Version für Klavier (aus THE WAND OF YOUTH, 1867/1907)

CHANSON DE MATIN (Morgenlied)
Für Violine und Klavier (1899)

PASTOURELLE (Hirtenlied)
Für Violine und Klavier (1883)

SHEPHERD’S SONG (Schäferlied)
Für Gesang und Klavier (1892)

SALUT D’AMOUR (Liebesgruß)
Für Cello und Klavier (1888)

NIMROD (Der Jäger)
Version für Flöte und Klavier (aus ENIGMA VARIATIONS, 1899)

LAND OF HOPE AND GLORY (Land voll Hoffnung und Ruhm)
Version für Trompete und Klavier (aus POMP AND CIRCUMSTANCE, 1901)

CELLOKONZERT (1. Satz)
Adagio-Moderato (1919)

Lukaskirche Bonn in Zusammenarbeit mit Bach-Verein Köln und Elgar Society England

Impressionen vom Jugendkonzert

Komponistenporträt Edward Elgar

29. April 2017, 18 Uhr · Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln

»Pomp and Circumstance« – und noch viel mehr: Komponistenporträt Edward Elgar
Facetten eines vielseitigen Komponisten

Pastourelle op. 4 (1883)
für Violine und Klavier
Leh-Qiao Liao, Violine (Musikhochschule Düsseldorf )

Salut d’Amour op. 12 (1888)
für Flöte und Klavier
Luisa Conrad, Flöte, und Christoph Behrens-Watin, Klavier
(Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln)

Shepherd’s Song op. 16 (1892)
für Gesang und Klavier
Jelka Schäfer, Sopran (Tannenbusch-Gymnasium Bonn)

Serenade op. 20 (1892)
für Streichorchester
Sülzer Kammerorchester (Dozenten, Schülerinnen und Schüler der
Rheinischen Musikschule Köln)

Fly, Singing Bird op. 26 (1894)
für Jugendchor, zwei Violinen und Klavier
Victoria Rube und Franka Hannemann, Violine (Tannenbusch-Gymnasium
Bonn), Choristen des Jugendchors der Lukaskirche Bonn und des
Tannenbusch-Gymnasiums Bonn

As Torrents in Summer, aus: »King Olaf« op. 30 (1896)
für Chor a cappella
Kammerchor des Bach-Vereins Köln, Leitung: Leh-Qiao Liao

Impressionen vom Komponistenporträt

Grundkurs Musik der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule

Schülerkommentare des GK Musik Jahrgang 12 der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule zu Elgars "Enigma-Variationen"

Variation Nr. 4
"Die vierte Variation lässt sich wunderbar mit einem Abenteuer vergleichen. Die Pauken sorgen hierbei für für einen Wechsel zwischen den Ruhe- und den Aktionsphasen." (Niklas Steffen)
Variation Nr. 5
Die fünfte Variation hört sich sehr gemütlich und leichtgängig an. Es entstehen anfamgs Bilder wie blühende Blumen auf der Wiese, lachende Kinder oder eine grüne Landschaft. Es vermittelt den Zuhörern eine Frühlingsstimmung, durch die man Glück spüren und sich lebendig fühlen kann. Doch diese Frühlingsstimmung löst sich durch einen plötzlichen Klangfarbenwechsel nach kurzer Zeit auf und lässt eine Winterstimmung entstehen. Der Wechsel der Stimmung in den einzelnen Teilen repräsentiert möglicherweise Elgars Stimmung, als er diese Variation komponierte.
Der oft vorkommende Klangfarbenwechsel hat mir persönlich sehr gut gefallen, da er diese Variation einzigartig macht." (Farissa Anindita)
Variation Nr. 6
"Mir ist die 6. Variation der Enigma-Variationen im Gedächtnis geblieben, da diese mir durch ihren beruhigenden Rhythmus ein Gefühl von Ruhe und Frieden vermittelt. Sie erinnert mich an eine Waldlandschaft, in der das gesamte Schauspiel der Natur in vollkommener Harmonie dargestellt ist." (Tim Lindlohr)
Variation Nr. 7
"Die siebte Variation malt mit hohem Tempo, agressiven Streichern uns dröhnenden Bläsern eine aufregende, fantastische Welt." (Johannes Heßeler)
Variation Nr. 8
"Elgar lässt durch die Variation 8 beim Zuhörer Bilder des Aufblühens entstehen. Die Kombination aus Streichern, Holz- und Blechblasinstrumenten ist sehr stimmig und übermittelt dem Hörer ein Gefühl der Glückseligkeit." (Lea Ullmann)
Variation Nr. 9
"Die neunte Variation gefällt mir besonders gut, weil man sich ihren Inhalt - ein Gespräch zweier Freunde an einem Sommerabend - sehr gut vorstellen kann. Weiterhin erinnert das Stück an vielen Stellen an Beethovens Klaviersonate Nr. 8, mit der man sich gerade als Bonner sehr gut identifizieren kann." (Christian Matthis)
Variation Nr. 11
"Für mich klingt diese Variation sehr majestätisch. Es ist, als ob zwei musikalische Seiten gegeneinander kämpfen." (Tom Seidenberg)
Variation Nr. 13
"Die dreizehnte Variation fängt langsam, ruhig und harmonisch an, wird dann aber immer dramatischer. Es wirkt wie die Musik zu einem Abenteuerfilm." (Zakaria Haddaj)

Fächerübergreifende Unterrichtskonzepte

Englisch
Schüler übersetzten im Englischunterricht Texte von Werken (z.B. "The Starlight Express" aus dem Jahr 1915) und Briefe des Komponisten Edward Elgar und tauchten auf diese Weise iintensiv in die Ideen- und Gedankenwelt des englischen Komponisten ein.

Geschichte
Jerusalem heute und vor 2000 Jahren: Konflikte der Religionen
Referate: Das Ende des Viktorianischen Zeitalters und die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die musikalische Welt.

Kunst
Kreatives Malen zu Musik von Edward Elgar (Enigma-Variationen, Cellokonzert u.a.)
Bühnenbild für Theaterstück: Turm zu Babel (ESG)
Feuer-/Zungendarstellungen für die Abschlusspräsentation (ESG)

Sprachen/Theater-AG
Es entstand ein Theaterstück zum Thema "Turmbau zu Babel" bzw. "Babylonische Sprachverwirrung". Im Rahmen des musikalischen Schülerprojekts entstand darüber hinaus u.a. unter Anleitung von Thomas Neuhoff im Grundkurs Musik der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule eine eigens zu diesem Theaterstück komponierte Bühnenmusik.

Der Turmbau zu Babel

Sprachenvielfalt und dennoch gemeinschaftliches Verstehen erleben auch die SchülerInnen der Internationalen Klassen an der ESG täglich. Zusammen mit ihren Tutorinnen (Martina Auler und Petra Gerlach) und der Theaterpädagogin Birgit Günster stellten sie sich diesen Erfahrungen in szenischem Spiel: Nonverbale und verbale Kommunikationsformen wurden erprobt und rhythmisch verdichtet, die Gefahr von Störungen durch Nicht-Verstehen bewusst gemacht, ebenso dessen Überwindung durch gemeinsames Sprechen einer Sprache. Es lag daher nah, sich aktiv mit der Geschichte vom "Turmbau zu Babel" zu beschäftigen, die nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Koran ihren Platz hat. Es wurde mit Kartons "gebaut", gemeinsam deutsch gesprochen, aber auch ein exakt einstudiertes sprachliches und rhythmisches Tohuwabohu veranstaltet, das die SchülerInnen in ihren jeweiligen Muttersprachen eindrucksvoll auskosteten.

Grundkurs Kunst der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule

Der Grundkurs des 13. Jahrgangs an der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bad Godesberg bereitete die Bühnendekoration für die Präsentation von Schülerarbeiten zum Oratorium "The Kingdom" vor:

Die Feuerzugen des "Heiligen Geistes" entstehen

Impressionen der Arbeit an der Bühnendekoration

Beteiligte Schulen

  • Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bonn (ESG)
  • Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln (FWG)
  • Jugendchor der Ev. Lukaskirche Bonn
  • Tannenbusch-Gymnasium Bonn (TaBu)

Öffentliche Abschlusspräsentationen

Schülerinnen und Schüler stellten die unterschiedlichen Ergebnisse ihrer Projektarbeiten öffentlich vor:

  • 09. Mai 2017 um 19.00 Uhr in der Aula des Tannenbusch-Gymnasiums Bonn
  • 12. Mai 2017 um 10.45 Uhr in der Aula der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bonn-Bad Godesberg

Lehrerfortbildung zu "The Kingdom"

Donnerstag, 16. Februar 2017, 15.30-18.30 Uhr · Haus der Evangelischen Kirche (Kartäusergasse 9-11, 50678 Köln)

Be-Geist-erte Vielfalt - Lehrerfortbildung
Das Pfingstwunder, die babylonische Sprachverwirrung und der Heilige Geist

Beate Sträter, Thomas vom Scheidt, Leitung · Thomas Neuhoff, Referent

In dem Chorwerk The Kingdom von Edward Elgar wird die gesamte Apostelgeschichte nach der Himmelfahrt bis einschließlich dem Pfingstfest erzählt. Der Bach-Verein Köln unter der Leitung von Thomas Neuhoff führt das Werk am Pfingstmontag 2017 in der Kölner Philharmonie auf. Ein umfangreiches Schülerprogramm begleitet die Aufführung und gibt SchülerInnen der Sek I und Sek II die Möglichkeit, sich auf unterschiedlichen Wegen der Musik Elgars und dem Themenkreis Pfingsten zu nähern.

Die Fortbildung beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der Frage, was es mit dem Heiligen Geist auf sich hat. Welche biblischen Anhaltspunkte bieten sich für ein Verstehen an, welche Aktualisierungen liegen in unsere Zeit nahe. So hieß es in der Ausschreibung des Schülerprojekts: Trotz ihres christlichen Ursprungs bieten diese Themen einen guten Ansatzpunkt für "interkulturelles und interreligiöses Nachdenken". In der Fortbildung wurden unterschiedliche Zugänge zum "Heiligen Geist", zum Pfingstwunder und der babylonischen Sprachverwirrung vorgestellt und erprobt. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, sich über das Schülerprojekt zu informieren und bei Interesse daran mitzuwirken.


Gefördert wurde das Schülerprojekt 2017 von der RheinEnergieStiftung Kultur